200.000 Besucher bei der Berliner Fashion Week

Warum ist in München tote Hose

in Sachen Mode, Herr Rapp?

München – Die Mode-Show von Lala wurde erst ab, dann wieder zugesagt. Was fürs Normalo-Marketing ein "So what" ergibt, war für die global Fashion-Experts fast ein Tsunami. Denn das Modelabel von Leyla Piedayesh ist vergleichbar mit der Fußballmarke SSC Napoli. Ausm Nirwana hoch in die ChampionsLeague – und jetzt ist Lala ein German Star bei der Berliner Fashion Week. 5 Tage beherrschte die Mode Berlin. Früher hieß diese Station München. Warum ist an der Isar tote Hose in Sachen Mode ? Ein Interview mit Verleger und Textil-Guru Eugen Rapp (siehe auch InfoBox rechts).

Modexperte Eugen Rapp
Top-Marke made in Berlin: Lala




Eugen Rapp: „Tote Hose in München“ kann ich so nicht bestätigen. Ein Modestandort wird heute anhand dreier Zahlen definiert. Wie viele Messen/ Showrooms sind vorhanden, wie viele Firmen/Agenturen sind da und wie viele Kollektionen. Für München ist dieser modische Dreisatz sehr positiv: 747:686:2030. Für Berlin gilt aktuell 459:408:1340 – allerdings ohne die Bread & Butter.
? Die Bread & Butter im alten Flughafen Tempelhof ist aber genau das neue große Mode-Mekka. Da müssen alle hin.
Rapp: Stimmt. Nach zehn Jahren harter Arbeit hat Karl-Heinz Müller seine Bread & Butter zur internationalen Institution gepusht. Herr Wowereit hat da brav mit geholfen. Die Berliner Fashion Week hat sich zum internationalen Top-Event gemausert.
? Warum ist dieses Modezentrum nicht mehr München?
Rapp: In den 80ern hatte Deutschland ein geteiltes Berlin und München den genialen Modemesse-Macher Alfred Wurm. Mit seiner Ablösung verlor München seinen Status.
? Was war der Grund?

Rapp: Das war ein Mix aus Arroganz, Fahrlässigkeit und dann kam Pech dazu. Die Mode ist wie eine hübsche Lady. Sie macht, was sie will. Aber sie will auch, dass einer klare Ansagen macht. Das bringt Aufsehen und Applaus.
? Hat München Chancen für ein Comeback in der großen Mode-Glitzer-Welt?
Rapp: Trotz aller Shows in Berlin, ist München wirtschaftlich in Topform. Im Münchner Dialog Textil-Bekleidung, DTB, sind 201 Mode-Marken an einem Tisch, mit einem Gesamtumsatz von 30 Milliarden Euro. Unter der Leitung von Anna Nieß entstehen dort relevante Standards für Handel und Herstellung. München ist in der Order- und Vertriebskommunikation bestens aufgestellt. Handelsmarketing, B-2-B-Kommunikation funktionieren optimal.
? Was kann München lernen vom Modestandort Berlin?
Rapp: München bräuchte wieder die große Show und einen Macher. München bräuchte Geld, Geduld und die kreative Unterstützung der Stadt. Und München bräuchte wieder echte Stars, wie früher Uschi Glas...
                         Interview: Peter Ehm



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